Armin Wassermann


Biographie

 

Armin Wassermann wird am 27. Juni 1887 als Sohn des Kaufmanns und Gemischtwarenhändlers Adolf Wassermann (1844 – 1901) und dessen zweiter Frau Flora, geb. Wannbacher, in Fürth geboren. Er ist ein Halbbruder des berühmten Schriftstellers Jakob Wassermann (1873 – 1934), zu dem er zeitlebens ein sehr enges Verhältnis hat.

Nach dem Abschluss der Realschule in Nürnberg und dem folgenden Militärdienst als Einjährig-Freiwilliger beginnt Armin Wassermann durch Vermittlung seines Bruders Jakob eine Ausbildung zum Schauspieler bei Otto Brahm (1856 – 1912) am Lessingtheater in Berlin. Von 1905 bis 1912 ist er hier regelmäßig an Produktionen beteiligt. Am nicht weit entfernten Deutschen Theater trittt er mit Stars des Ensembles Reinhardt wie Gertrud Eysoldt (1870 – 1945) oder Alexander Moissi (1879 – 1935) auf.

Neben seiner Tätigkeit als Schauspieler ist Armin Wassermann zu dieser Zeit besonders als Rezitator bekannt. Er gilt als der herausragendste Rainer Maria Rilke-Rezitator seiner Zeit. Der Wiener Schriftsteller Simon Gutmann (1891 – 1990) dichtet 1911 für die erste Ausgabe der expressionistischen Aventgarde-Zeitschrift Die Aktion über diese weitere Profession Armin Wassermanns:

An Armin Wassermann

Flöte Du, die in den Sommernächten

tönte, und keiner Hand berührt.

doch die Töne klirrten schrill gleich Bränden,

die zerbrochen stürzten; wehe, Steine, 

Edelsteine aus gekrampften Händen.

Regelmäßig  tritt Armin Wassermann auf den sich bildenden Kabarettbühnen Berlins wie dem Neupathetischen Cabaret auf. Die Veranstaltungsreihe hat ihren Ursprung im Neuen Club, der sich 1909 als Vereinigung von Studenten und jungen Künstlern rund um den Schriftsteller Kurt Hiller (1885 – 1972) gebildet hat. Auch Armin Wassermann gehört dieser Gruppe, die den literarischen Expressionismuss begründet, an. Ernst Blass (1890 – 1939) schreibt am 8. Juli 1911 in der Zeitschrift Der Sturm über Armin Wassermann:

[…] Ich konstatiere, dass Herr Armin Wassermann den ersten Rezitationsabend meines Lebens veranstaltet hat, der in Betracht kommt. Früher gab es Schauspieler, die Lyrik „darstellten“ (noch die Durieux) — oder sie hatten alberne Programms. Wassermann aber sprach Stücke der wertvollsten Lyrik dieser Tage: Rilke, George, die Lasker-Schüler. Ausserdem Prosa: eine noch ungedruckte Novelle von Jacob Wassermann, in der ein Eisenbahnbeamter ein Attentat auf einen Zug unternimmt, ein „bleicher Verbrecher“ im Sinne Zarathustras, den das Bild einer Tat eine Tat tun lässt und den das Bild der getanen Tat in den „Wahnsinn“ der Reue jagt; in der für diesen Fall im einzelnen ein besonderer Ausdruck nicht gefunden ist. Nur dies: Der Verbrecher vor einem unter den Trümmern des Zuges liegenden, sterbenden Mädchen, das sich nach einer Zärtlichkeit des (daneben stehenden) Mannes totbebt —, ein Bild, das pikant . . und grossartig ist. Es gab ferner eine Novelle des Herrn Heinrich Eduard Jacob, „Die Feuersbrunst und die Liebenden“; Durchdringung der Sensation eines Brandes mit der Ermattung nach •stattgehabtem „Beilager“.

Ich liebe solche Darstellungen . . (sonst gibt es hier in der Einzelformung weniger Darstellung als Frisur; weniger Druck als Annonce.) Armin Wassermann steht am höchsten als Rilke-Rezitator. Strecken aus „Sturmnacht“ und etwa die Worte „Wo warst du denn, Marie?“ — sind nahe der Vollendung. Sein Organ hat dies leise Hinhallende, sich dämpfend; ein schwebender Rufer ist es, wie in Abwesenheit. […] Ich konstatiere, dass Wassermann den ersten Rezitationsabend meines Lebens mit wertvollem Programm gab und dass sein Rilke-Sprechen etwas Wundervolles ist. […] Es gab bis heute Hussiten-Mittage, möge es Lyrik-Abende geben!“

Kabarett Gnu
ANKÜNDIGUNG ZUM ERSTEN ABEND DES KABARETTS GNU IN DER ZEITSCHRIFT DER STURM VOM 21. OKTOBER 1911

Im selben Jahr gründet Armin Wassermann dann zusammen mit Kurt Hiller und Ernst Blass das Literarische Cabaret Gnu. Daneben ist Armin Wassermann auch selbst wie sein Bruder Jakob als Schriftsteller aktiv und Teil der kulturellen und literarischen Bohème in Berlin. Zusammen mit dem österreichischen Dramaturgen Alfred Bratt (1891 – 1918) schreibt er 1913 das Lustspiel „Der Mann auf der Schaukel“, das im Dreimaskenverlag erscheint.

Kurz vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs wohnt Armin Wassermann in Frankfurt am Main, wo er regelmäßig im Neuen Theater zu sehen ist. Außerdem hat er eine Anstellung als Schauspieler am Großherzoglichen Hoftheater in Darmstadt.

Im Frühjahr 1915 meldet sich Armin Wassermann dann freiwillig zur Luftschifferabteilung der deutschen Fliegertruppe. Von dort aus wird er zum 65. rheinischen Infanterie-Regiment abkommandiert, das  im September 1915 an die Westfront nach Chauny bei Laon verlegt wird. In den Ruhenpausen abseits der Schützgräben betätigt er sich weiterhin als Schriftsteller. Während der Schlacht an der Somme wird er am 13. September 1916 durch einen Granatsplitter tödlich getroffen. Sein Grab befindet sich auf einem Friedhof nahe der französischen Gemeinde Combles.