Benno Berneis


Biographie

 

Selbstpotrait Benno Berneis
SELBSTPORTRÄT VON BENNO BERNEIS 1910 (→BILDNACHWEIS)

Benno Berneis wurde am 9. Mai 1883 als Sohn des jüdischen Fabrikbesitzers Albert Berneis (1853 – 1924) und seiner Frau Betty Berneis, geb. Neubauer (1862 – 1935), in Fürth geboren.

Sein Vater hatte 1875 zusammen mit seinem Onkel Louis Berneis (1854 – 1930) die Fürther Schuhfabrik B. Berneis gegründet, aus der 1892 die Vereinigten Fränkischen Schuhfabriken AG entstand. Benno Berneis wuchs zusammen mit seiner Schwester Frida (1888 – 1942) in wohlhabenden Verhältnissen in einer Wohnung im 2. Stock eines Mietshauses in der Luisenstraße, Ecke Weinstraße in Fürth auf.

Nach dem Besuch der Volksschule war Benno Berneis anschließend zusammen mit Gustav Löwensohn Schüler am Humanistischen Gymnasium in der Königstraße 105 in Fürth. Dort war er im September 1900 mit dem Kneipennamen Pascha an der Gründung der Fürther Schülerverbindung Abituria beteiligt gewesen, deren Mitglied er zeitlebens blieb.

 

 

Von 1901 bis 1902 leistete Benno Berneis dann seinen Militärdienstzeit als Einjährig-Freiwilliger beim 1. bayerischen Chevaulegers-Regiment in Nürnberg ab.  Noch im selben Jahr schrieb er sich außerdem im Alter von 19 Jahren an der Münchner Zeichenschule des Breslauer Impressionisten Moritz Heymann (1870 – 1937) ein. Seine Wohnung befand sich zu dieser Zeit im Rückgebäude der Amalienstraße 72 in der Münchner Maxvorstadt. Ab 1905 studierte er dann in Berlin die Malerei Max Liebermanns (1847 – 1935), Lovis Corinths (1858 – 1925) und Max Slevogts (1868 – 1932), die zu den bedeutendsten Vertretern des deutschen Impressionismus zählen. Besonders Letzterer soll dem jungen Künstler als Mentor gedient haben, wie aus privaten Briefen zwischen beiden hervorgeht.¹

gertrud-eysoldt-1910
BILDNIS GERTRUD EYSOLDTS VON BENNO BERNEIS 1910 (→BILDNACHWEIS)

Benno Berneis bezog in der Nähe des Berliner Tiergartens eine Wohnung im IV. Stock eines Mietshauses am Lützowufer 1. Seine Eltern wohnten nicht weit davon entfernt in einem repräsentativen Appartement am Kurfürstendamm 62. In der Friedrichstraße 38 – 40 befand sich  außerdem die große Berliner Filiale der Vereinigten Fränkischen Schuhfabriken AG, deren Direktor sein Vater nun war. Am 13. November 1906 heiratete Benno Berneis die jüdische Schauspielerin Betty Meyer, von der er sich jedoch bereits im Dezember 1908 wieder scheiden ließ.² Benno Berneis, der sich bevorzugt in den Kreisen von Schauspielern und Schriftstellern aufhielt, hatte inzwischen die dreizehn Jahre ältere Schauspielerin Gertrud Eysoldt (1870 – 1955) kennengerlernt, die zu dieser Zeit zu den Stars des bekannten Berliner Ensembles von Max Reinhardt (1873 – 1943) zählte. Am  1. April 1910 wurde der gemeinsame Sohn Peter Berneis (1910 – 1985) geboren und eine neue Wohnung mit Atelier am Schleswiger Ufer 12 direkt an der Spree bezogen.

Benno Berneis hatte sich in der Berliner Szene als Kunstmaler schnell einen guten Ruf erarbeitet und stellte früh zusammen mit namhaften Künstlern des Impressionismus und kommenden Expressionismus aus. So durfte Benno Berneis bereits im Januar 1909 in einer Doppelausstellung zusammen mit Henri Matisse (1869 – 1954) erstmals seine Bilder im renommierten Kunstsalon des bekannten jüdischen Verlegers und Galeristen Paul Cassirer (1871 – 1926) zeigen. Regelmäßig waren neue Arbeiten nun auch in den Kunstausstellungen der Berliner Sezession in ihrem großem Ausennstellungshaus am Kurfürsten-damm 208/209 zusehen, wo er noch als einer der „Jüngsten“ zu den „bemerkenswerten Begabungen“ zählte. Als 1912 dann im Zuge einer Ausstellung des Deutschen Künstlerbundes in der Bremer Kunsthalle auch Bilder von Benno Berneis gezeigt wurden, titulierte deren Direktor Gustav Pauli (1866 – 1938) den Künstler bereits als „Meister“, dessen Vita man dem Publikum seiner Bekanntheit wegen kaum noch beschreiben müsse. 1914 wurde Benno Berneis‘ Werk dann außerdem einer umfassenden Kollektivausstellung zusammen mit Arbeiten von Camille Pissarro (1830 – 1903) im Kunstsalon Cassirer gezeigt.

So war, als im selben Jahr zahlreiche Künstler rund um Max Liebermann aus der Berliner Secession austraten und sich zur Freien Secession Berlin zusammenschlossen,  natürlich auch Benno Berneis selbstverständlich unter den 40 Gründern vertreten. Per Losverfahren wurde er außerdem zusammen mit 14 weiteren Künstlern wie dem befreundeten Bildhauer August Gaul (1869 – 1922) oder Max Beckmann (1884 – 1950) in den Vorstand der Secession gewählt.

 

Kurz darauf begann mit der deutschen Mobilmachung im August 1914 der Erste Weltkrieg. Wie viele seiner Künstlerkollegen war auch Benno Berneis vom Kriegsausbruch begeistert und meldete sich als Unteroffizier beim Stab der 1. Bayerischen Train-Abteilung in München. Bereits ab Mitte August nahm er dann an mehreren Gefechten in Lothringen und an Somme teil. Für die Rettung eines Munitionswagens aus einem brennenden Gebäude wurde ihm am 15. September 1914 das Eiserne Kreuz II. Klasse verliehen. 3 Monate darauf wurde er außerdem zum Vizewachtmeister und Offiziers-Stellvertreter befördert. Als guter Reiter war er nun für die Koordination des Proviantnachschubs an die Front zuständig. Am 24. Februar 1915 erhielt er sein Offiziers-Patent als Leutnant der Reserve. Wie viele seiner Kameraden hatte sich auch Benno Berneis währenddessen freiwillig zur Fliegertruppe gemeldet. Anfang September 1915 versetzte man ihn dann schließlich zur Flieger-Ersatz-Abteilung 4 ins westpreußische Posen, wo er zum Flugzeugführer ausgebildet wurde.

Am 16. November 1915 heiratete er dann während eines Heimaturlaubs in Berlin in einer der zahlreichen Kriegstrauungen seine Lebensgefährtin Gertrud Eysoldt. Nach dem Abschluss seiner Ausbildung wurde Benno Berneis anschließend an die Front in der Champagne zur Feldflieger-Abteilung 17 kommandiert, die als Fernaufklärungs-Abteilung des 3. Armeeoberkommandos diente. Für seine dortigen Verdienste wurde ihm Ende 1915 das Eiserne Kreuz I. Klasse verliehen. Anfang Juni 1916 wurde Benno Berneis dann kurzfristig zum neu gebildeten Kampfeinsitzer-Kommando des 3. Armeeoberkommandos versetzt, deren Quartier sich in der Gemeinde Vouziers in den Ardennnen  befand. Dort stirbt er am 8. August 1916 im Alter von 33 Jahren bei einem Luftkampf über Saint-Souplet. In einem Kondolenzbrief vom 10. August 1916 an seinen Vater Albert Berneis schrieb sein Formationsführer Oberleutnant Kurt Student über den Vorfall:

„ […] Ich konnte selbst den Kampf bis zum Ende aus nächster Nähe beobachten. Am Vormittag des 8. August stand ich in schwerem Kampfe mit 3 französischen Jagdflugzeugen, als Ihr Sohn plötzlich zur Hilfe herbeieilte. Mit seinem Fokker griff er 10.20 Vormittag einen Franzosen an und trieb ihn zur Front zurück, da überraschte ihn ein zweiter von hinten und schoß mit Brandgeschossen auf ihn; eins von diesen traf sein Flugzeug, welches sofort in Flammen aufging und abstürzte. Da aber das Geschoß den Schwanz des Flugzeuges traf, und die Flamme bei dem starken Luftzug nur allmählich nach vorn weiter fressen konnte, hat Ihr Sohn nur leichte Brandwunden erlitten. Etwa 50 m über dem Erdboden ist er dann aus dem Flugzeug gesprungen und hat infolge Schädelbruchs einen sofortigen Tod gefunden; eine Schußwunde hat er nicht gehabt.

Ich konnte nicht mehr rechtzeitig zu Hilfe eilen, da ich selbst mit einem anderen Gegner kämpfte. Nun schüttelte ich aber diesen ab und habe noch kurz im Kampf dann den Gegner Ihres Sohnes, diesen elenden Kerl, der mit Brandgeschossen kämpfte, zusammen geschossen. Die Vergeltung ist also nicht ausgeblieben. Am Schauplatz des Kampfes, dicht nördlich des vielgenannten Ortes St. Souplet, werde ich Ihrem Sohn einen Denkstein setzen. […] “

Grab Benno Berneis 1916
GRAB VON BENNO BERNEIS (→BILDNACHWEIS)

Einen Tag nach seinem Tod wurde Benno Berneis am Nachmittag des 9. August 1916 auf dem Soldatenfriedhof von Mont-Saint-Remy mit militärischen Ehren beigesetzt. Zahlreiche Fliegerverbände der deutschen Armee hatten Abordnungen geschickt, darunter auch ein kommandierender General.

Der Sarg wurde, mit unzähligen Kränzen bedeckt und begleitet von der Musik einer Artilleriekapelle, feierlich auf einer mit sechs Pferden bespannten Kanone zum Friedhof gefahren.

Am offenen Grab hielt daraufhin ein evangelischer Feldgeistlicher eine Trauerrede, bevor der Sarg heruntergelassen wurde. Dabei schoss eine Infanterie-Abteilung den Trauersalut mit drei Salven und eine schwarz umflorte Fokker überflog das Grab in 50 Metern Höhe.

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Siehe auch:
 „…der Tod hat […] in der entscheidenden Stunde den Pinsel aus der Hand genommen“ – Biographie des Fürther Künstlers Benno Berneis
Literatur- und Quellennachweise
Der Autor dieser Website ist gleichzeitig als “Simon1418” im FürthWiki aktiv, sodass dieser Text teilweise auch im Artikel Benno Berneis verfügbar ist.