Hermann Samuel


Biographie

 

Israelitisches Waisenhaus 1884
ISRAELITISCHES WAISENHAUS UM 1884 (→BILDNACHWEIS)

Hermann Samuel wurde am 24. Februar 1892  als Sohn des Bäckermeisters Bernhard Samuel und seiner Frau Philippine Samuel, geb. Kissinger, im unterfränkischen Karbach geboren. Vermutlich mit dem Tod des Vaters, der zu dieser in Tauberbischofsheim im Großherzogtum Baden wohnte, zog die Mutter mit ihren anderen beiden Söhnen Moritz und Siegmund zurück in ihre Geburtsstadt Urspringen. Hermann Samuel kam im Alter von 10 Jahren ins Israelitische Waisenhaus nach Fürth. Direktor war dort seit 1895 der in Ungarn geborene Rabbiner Dr. Hermann Deutsch (1856 – 1932), der gleichzeitig auch Stellvertreter DR. JAKOB IMMANUEL NEUBÜRGERS war und als Lehrer an der Israelitischen Realschule in Fürth arbeitete. Auch Hermann Samuel war dort Schüler und erwarb die Sekundarreife, mit der er die Berechtigung zum Einjährig-Freiwilligen-Dienst erhielt. Anschließend machte er in Fürth jedoch zunächst eine Ausbildung zum Kaufmann, bevor er am 1. Oktober 1912 seinen Militärdienst bei der 2. Kompanie des 21. BAYERISCHEN INFANTERIE-REGIMENTS begann. Nach der Beförderung zum Gefreiten wurde er Ende September 1913 als Unteroffizier entlassen. Hermann Samuel arbeitete daraufhin wahrscheinlich als Kaufmann in der jüdischen Firma Galanterie= u. Spielwaren en gros u. Export D. M. Zimmer mit Sitz in der Nürnberger Straße 61 und wohnte in einem Mietshaus in der Marienstraße 13 in Fürth. Während einer Reserveübung wurde er am 6. Mai 1914 außerdem zum Vizefeldwebel der Reserve befördert.

Mit der Mobilmachung und dem Beginn des Ersten Weltkriegs wurde er am 3. August 1914 zum 14. bayerischen Infanterie-Regiment in Nürnberg eingezogen. In der Kaserne bildete er hier zunächst neue Rekruten aus. Am 23. August ernannte man ihn zum Offiziers-Stellvertreter. Mehrere Male meldete er sich freiwillig zur Abstellung an die Front und wurde schließlich am 10. September 1914 zur 9. Kompanie des Regiments nach Frankreich versetzt. Dort nahm er an Kämpfen um Richecourt sowie an Stellungskämpfen bei Apremont-la-Forêt teil. Für seine Verdienste bei diesen Gefechten wurde ihm am 23. Oktober 1914 das Eiserne Kreuz II. Klasse verliehen. Am 12. November beförderte man ihn außerdem zum Leutnant der Reserve und Zugführer.

Am Tag vor dem Sturm auf das Erdwerk von Bois Brûlé, der von deutschen wie französischen Soldaten in seiner Härte noch schlimmer als die Schlacht um Verdun empfunden wurde und zahlreiche Verluste auf beiden Seiten forderte, schrieb Hermann Samuel am 26. November 1914 an seine Familie in der Heimat:

„Morgen habe ich einen etwas schweren Tag als sonst. Das Vertrauen unseres Regimentskommandeurs stellt mich an einen Posten, den richtig auszufüllen ich mir alle Mühe geben werde. Hoffentlich kann ich Euch recht bald von einem guten Erfolg berichten. Sollte es aber Gottes Wille sein, daß es anders geht, so hoffe ich, daß Ihr alles mit Gottvertrauen und dem Gedanken ertragt, daß es Tausenden nicht anders geht…

Voll Vorahnung schreibt er dann am nächsten Tag, dem 27. November 1914, kurz vor Beginn seines Einsatzes, dessen Aussichtslosigkeit ihm wohl schon bewusst zu sein scheint, wieder an die Familie:

„Meine Lieben! Wenn Ihr diesen Brief bekommt, habe ich mein Leben auf dem Altar unseres Vaterlandes geopfert. Was gilt aber in solch großer Zeit der Einzelne, wo so viele unserer Besten den Tod erleiden! Und deshalb hoffe ich, daß Ihr mein Schicksal so ertraget, wie es sich Deutschen und Juden geziemt: gefaßt und Gott ergeben, daß ist mein letzter Wunsch…

Der Kompanieführer Leutnant Trummert berichtet  in seinem Kondolenzbrief an Hermann Samuels Mutter über die folgenden Vorgänge des Tages:

„Als ich am Dienstag, den 10. November, den Befehl erhielt, 70 Mann unter einem auserlesenen Führer zur Vorbereitung des Sturmes zu bestimmen, war es selbstverständlich Samuel, den ich dafür vorschlug, und er war stolz, zu dieser schwierigen Aufgabe bestimmt zu sein. Angestrengt Tag und Nacht arbeitend, leistete er Hervorragendes, seine blühende Gesundheit gestattete so große Leistungen, sein scharfes, treffendes Urteil fand hier bei allen Vorgesetzten gebührende Anerkennung, ganz besonders aber wurde von Vorgesetzten und Untergebenen seine nimmer nachlassende Schaffensfreudigkeit anerkannt und bewundert. Hatte er in den Kämpfen bei Richecourt wegen hervorragender Umsicht und Tapferkeit sich die Epauletten und das Eiserne Kreuz verdient, so hat er sich im Bois brulé selbst übertroffen und sollte den bayerischen Militärverdienstorden als Zeichen der Anerkennung für seine außerordentlichen Leistungen erhalten. Nach alles war es daher selbstverständlich, das Samuel bei dem Sturm auf das Bois brulé der wichtigste Posten anvertraut wurde. Keine Gefahr scheuend, ging er an die Spitze seiner ersten Truppe über den Wall des Werkes vor, und es gelang ihm, dort Fuß zu fassen. Sofort begann er seine Stellung energisch auszubauen, doch sehr bald sank er, von einer Gewehrkugel am Rücken getroffen, zurück und verschied nach kurzer Zeit“

Seine Leiche, die von Maschinengewehrfeuer getroffen worden war, wurde nach der erfolgreichen Einnahme des Erdwerks geborgen und auf dem im Wald von Apremont-la-Forêt gelegen deutschen Soldatenfriedhof beigesetzt. Insgesamt 15 Offiziere, 60 Unteroffiziere und 496 Mannschaften fielen beim Sturm auf den strategischen Posten im Bois Brûlé.

Der Regimentskommandeur Oberst Hierthes schrieb am 6. Dezember 1914 in in einem eigenen  Nachruf  für Hermann Samuel im Fränkischen Kurier:

„Der Tapfersten einer, fiel er an der Spitze seiner Leute beim Sturm auf ein französisches Erdwerk. Das Regiment wird ihn nie vergessen.“

 


Literatur- und Quellennachweise